Lettland

Riga

Landesinformationen

Quick Facts

  • Amtlicher Name: Republik Lettland
  • Einwohner: knapp 1,9 Millionen (2024)
  • Hauptstadt: Riga
  • Amtssprache: Lettisch
  • Religion: am ehesten christlich
  • Währung: Euro
  • Beste Reisezeit: Frühling bis Herbst

Im 2. Jahrtausend v. Chr. besiedelten die ersten indoeuropäischen Stämme das Gebiet des heutigen Lettlands. Sie verdrängten oder assimilierten die dort lebenden finnougrischen Stämme.

Im frühen Mittelalter waren die Siedlungsgebiete der Balten und Liven in kleine Fürstentümer zersplittert. Ab dem Jahr 1202 wurden diese vom Schwertbrüderorden erobert, der im Deutschen Orden aufging. Zudem begann die Einwanderung von Deutschen, deren Oberschicht jahrhundertelang das Stadtbürgertum und die Großgrundbesitzer stellten. Durch die Reformation wurde Lettland lutherisch. Im 16. Jahrhundert kam das Gebiet der livländischen Konföderation in Abhängigkeit von Polen-Litauen, weshalb ein Teil der Bevölkerung heute katholisch ist. Bis in das 18. Jahrhundert war das Baltikum und damit auch Lettland zwischen Russland, Schweden und Polen umkämpft. Durch die Kriegen und Epidemien sanken die Bevölkerungszahlen erheblich. Mit der Dritten Teilung Polens wurde Lettland im Jahr 1795 an das russische Kaiserreich angegliedert. Während die Deutsch-Balten ihre Privilegien behalten konnten, führte die Assimilierung der livischen Einwohner zu einer weitgehend homogenen lettischen Bevölkerungsschicht.

Insbesondere zu Beginn des 20. Jahrhunderts begannen Unabhängigkeitsbestrebungen. Nach dem Ersten Weltkrieg erklärte Lettland Ende 1918 die Unabhängigkeit und setzte diese im Unabhängigkeitskrieg durch. Nach einem Staatsstreich im Jahr 1934 setzte Kārlis Ulmanis die Verfassung teilweise außer Kraft und regierte den Staat autoritär. Im geheimen Zusatzprotokoll des Hitler-Stalin-Pakts einigten sich Deutschland und die Sowjetunion darauf, dass Lettland unter sowjetische Herrschaft kommen soll. Im Juli 1940 begann die sowjetische Besetzung des Landes. Als Präventionsmaßnahme bei einer deutschen Invasion wurden mehrere Maßnahmen durch die Sowjets durchgeführt. Dazu gehörte die Verlegung von Teilen der baltischen Bevölkerung in den sibirischen Osten der UdSSR. In Lettland wurden rund 19.000 Letten, davon etwa 5000 Juden, deportiert. Mit dem deutschen Überfall auf die Sowjetunion begann Mitte 1941 die deutsche Besetzung des Landes, die mit Ghettos, Massenverbrechen etc. einherging.

Im Herbst 1944 wurde Lettland von der Roten Armee erobert und erneut in die Sowjetunion eingegliedert. Während des Stalinismus zielten Maßnahmen der sowjetischen Zentralregierung wie Deportationen und Inhaftierungen darauf ab, die lettische Bevölkerung zur Minderheit im eigenen Land zu machen. Menschen aus anderen Regionen der UdSSR übernahmen führende Positionen im Land. Die forcierte Industrialisierung in Lettland diente auch der Russifizierung. Am 4. Mai 1990 beschloss der Oberste Rat der Lettischen Sozialistischen Sowjetrepublik die Wiederherstellung der Unabhängigkeit. Gorbatschows Versuch, dies mit OMON-Truppen zu verhindern, scheiterte. Der Parlamentsbeschluss wurde folglich erst nach dem Scheitern des Putsches gegen Gorbatschow de facto wirksam.

Sehenswürdigkeiten und bekannte Orte

 

Riga

Lettland wird/wurde kulturell vor allem durch Nordeuropa beeinflusst. Die Altstädte weisen beispielsweise die typischen im Raum der Hanse verbreiteten Elemente auf. Zudem bieten Ostseestrände und die Natur reizvolle Ziele.

Die Hauptstadt Riga ist bekannt für sein Schwarzhäupterhaus (Melngalvju nams) und den Rigaer Jugendstilviertel (z.B. Alberta iela). Die Aussicht über die Stadt kann man auf dem Turm der St.-Petri-Kirche oder der Aussichtsplattform der Lettischen Akademie der Wissenschaften genießen. In direkter Nähe des Gebäudes im Zuckerbäckerstil befindet sich das Museum des Rigaer Ghettos und des Holocausts in Lettland, von welchem auch das Foto stammt. Nicht weit entfernt ist zudem der Rigaer Zentralmarkt (Rīgas Centrāltirgus), der in ehemaligen Zeppelin-Hallen untergebracht ist.

Nicht weit von Riga entfernt liegt Jūrmala. Der Ostseebadeort ist für seinen feinen Sandstrand, seine Duftkiefernwälder und die historischen Holzvillen (siehe Beitragsfoto) bekannt. Fährt man weiter Richtung Westen, gelangt man zum Ķemeri-Nationalpark, der für Moorgebiete bekannt ist, durch die Holzplankenwege führen.  Als alternatives Ausflugsziel wurde mir der Gauja-Nationalpark genannt, der auch gesondert besucht werden kann. Der älteste Nationalpark des Landes bietet neben Flusstälern und der Gutmannshöhle auch die rote Backsteinburg von Turaida. Die Gutmannshöhle und die Backsteinburg von Turaida liegen in der Nähe des Ortes Sigulda, der auch für seine Burgen und Wintersportmöglichkeiten bekannt ist. Am nördlichen Ende des Nationalparks liegt Cesis mit seiner Ordensburg. Von hier aus kann man den archäologischen Park Āraiši besuchen.

Südlich von Riga, Nahe der Grenze zu Litauen, steht das Schloss Rundāle. Das Barockschloss aus dem 18. Jahrhundert wurde von Francesco Rastrelli, dem Baumeister des Winterpalasts in St. Petersburg, entworfen und ist von einem großen französischen Garten umgeben. Auf halben Weg kann man in Jelgava einen Halt einlegen. Auf der Insel hinter dem Schloss wachsen Auenwiesen, auf denen mehr als 80 Wildpferde grasen.

Im Osten befindet sich die  Hafenstadt Liepāja mit der imposanten Kathedrale zu Karosta, einer orthodoxen Kirche. Am Strand finden sich Bunker und andere Überbleibsel des Krieges. Nicht zu weit entfernt liegt Kuldīga. Die malerische Kleinstadt mit Kopfsteinpflaster und Holzhäusern besitzt mit dem Ventas Rumba, dem breitesten Wasserfall Europas, ein weiteres Highlight. Im Nordosten liegt Ventspils. Die Stadt hat eine livländische Ordensburg, eine Küstenfreilichtmuseum und eine Schmalspurbahn. Weiter Richtung Norden gelangt man zum Kap Kolka, dem nördlichsten Punkt von Kurzeme.

Kulinarisches

Riga

Lettland befindet sich im Zentrum des Baltikums. Das Land ist zum größten Teil ein bewaldetes Moränen-Hügelland mit zahlreichen Seen, landwirtschaftlichen Flächen und einer langen Küstenebene. Die lettische Küche ist entsprechend bodenständig und von den eigenen landwirtschaftlichen Produkten, wie Kartoffeln, Weizen, Roggen, Erbsen, Kohl, Zwiebeln, Eier und Schweinefleisch, sowie der Ostsee (Fisch, siehe Foto) geprägt. Typische Rezepte basieren auf Kartoffeln, Roggenbrot, Schweinefleisch, Fisch und Milchprodukten.

Die lettische Küche wurde jahrhundertelang durch verschiedene Kulturen beeinflusst. Daher weisen lettische Gerichte Merkmale der litauischen, estnischen, belarussischen, deutschen und skandinavischen Küche auf. Nachfolgend werden einzelne Beispiele genannt. Ein Beispiel für die Sowjetküche sind Pelmeni mit saurer Sahne. Aus der Ukraine wurden borščs, stroganovs, šašliks, rasols, plovs und kefīrs übernommen. Deutsche Einflüsse merkt man am karamellisierten Sauerkraut (štovēti kāposti).

Das inoffzielle Nationalgericht sind graue Erbsen mit Speck (Pelēkie zirņi ar speķi). Im Sommer ist eine kalte Rote-Beete-Suppe (Aukstā zupa bzw. ) beliebt. Die pinke Suppe besteht aus Kefir oder Sauermilch, rote Beete, Gurken, Dill und einem hartgekochten Ei. Kartoffelpfannkuchen (Kartupeļu pankūkas) und Pīrāgi finden sich ebenfalls. Das dunkle, kräftige Roggenbrot Rupjmaize konnte ich u.a. als Brotchips mit Knoblauch und als Roggenbrotsuppe mit getrockneten Früchten probieren.

Rīgas Melnais balzams (Rigaer Balsam) ist wohl das Getränk aus Lettland schlechthin. Den herben Kräuterlikör gibt es auch in verschiedenen Geschmacksrichtungen wie Kirsche und schwarze Johannisbeere. Die Geschmacksrichtung Tropical ist mir zumindest neu. Daneben gibt es Bier und Kvass als typische Getränke, die man probieren kann.

Fortbewegungsmittel

In Lettland nutzte ich primär Bus und Zug. Ein Auto wäre eine Alternative gewesen.

Berichte

Hier findet ihr meine Berichte zu Lettland: