Landesinformationen
Quick Facts
- Amtlicher Name: Republik Litauen
- Einwohner: knapp 2,9 Millionen (2026)
- Hauptstadt: Vilnius
- Amtssprache: Litauisch
- Religion: Katholisch
- Währung: Euro
- Beste Reisezeit: Frühling bis Herbst
Ab dem 3. Jahrhundert v. Chr. besiedelten baltische Stämme das Gebiet. Fürst Mindaugas, der im Jahr 1252 vom Papst abgesegnet zum König gekrönt wurde, brachte die Nachbarstämme unter seine Hoheit. Bei seinem Tod umfasste sein Königreich etwa das Gebiet des heutigen Litauens. Kurz darauf drangen erfolglos Ritter des Deutschen Ordens in das Reich ein. Zudem wurde im Lauf der Zeit Litauen wieder heidnisch. Litauen expandierte im 14. und Anfang des 15. Jahrhundert Richtung Osten. Zeitweise gehörte Kiew zu Litauen, was zu einer Konkurrenz mit dem Großfürstentum Moskau führte. Der Westen war zunächst durch den Deutschen Orden versperrt.
Großfürst Jogaila übernahm im Jahr 1386 durch Heirat und Übertritt zum Christentum die polnische Königskrone. Damit gründete er die Polnisch-Litauische Personalunion und das Herrschergeschlecht der Jagiellonen. Nach der Schlacht bei Tannenberg im Jahr 1410 wurde die Bedrohung durch den Deutschen Orden beseitigt. Die Personalunion mündete im Jahr 1569 in die Realunion, wodurch Litauen seine Eigenständigkeit einbüßte. Litauen blieb bis zu den Teilungen Polens beim polnischen Staat. In dessen Folge kam das Land im Jahr 1795 unter russische Herrschaft. Aufstände wurden vom russischen Zaren blutig unterdrückt.
Im Ersten Weltkrieg wurde die Stadt Kaunas während der Sommeroffensive von den Deutschen erobert, was letztlich zur Besatzung des Landes führte. Vor Ende des Krieges wurde die Republik Litauen ausgerufen und gegen Russland verteidigt. Die Hauptstadt war Kaunas. Durch den Friedensvertrag von Versailles annektierte Litauen das Memelland. Durch ein Putsch von Antanas Smetona im Jahr 1926 wurde das Land anschließend diktatorisch bis ins Jahr 1940 regiert.
Vor Ende seiner Regierungszeit musste Litauen das Memelland wieder an die Deutschen abtreten. Nach dem Ende marschierten sowjetischer Truppen in das Land. Es wurde eine pro-sowjetische Regierung ins Amt gebracht, die den Beitritt zur Sowjetunion erklärte. Im Zuge des Überfalls auf die Sowjetunion besetzten deutsche Truppen das litauische Staatsgebiet. Auch in Litauen entstanden mehrere Ghettos. In Vilnius findet man eine kleine Gedenkstätte, die an das Ghetto erinnert. 90 % der jüdischen Bevölkerung erlebten das Kriegsende nicht. Im Jahr 1944 eroberte die Rote Armee Litauen zurück. Nach zahlreichen Verhaftungen wurden zehntausende „staatsfeindliche Elemente“ nach Sibirien deportiert. Im Zuge der Perestrojka und der singenden Revolution erklärte sich Litauen im Jahr 1990 als erste Unionsrepublik der Sowjetunion zum souveränen Staat.
Sehenswürdigkeiten und bekannte Orte
Litauen bietet (siehe auch Text zu Kulinarisches) einiges in der Natur: endlose Wälder, unzählige Seen, und Strände und Sanddünen auf der Kurischen Nehrung. Mehrere Nationalparks laden zum Erkunden der Wälder, Seen und Moore ein. Die Dünen auf der Halbinsel Kurische Nehrung (Neringa) stehten sogar auf der Liste des UNESCO-Weltkulturerbes. Entsprechend zieht es viele Reisende in die Natur.
Litauen wurde von der langen gemeinsamen Geschichte mit Polen (v.a. im Osten) und der Hanse (v.a. im Westen durch Backsteingotik und Fachwerkhäuser) geprägt. Das Land kam nach der dritten Teilung Polens zum russischen Kaiserreich, was ebenfalls Spuren hinterließ. Die barocken Altstadt von Vilnius mit all den Kirchen (wie im Foto zu sehen) ist ein UNESCO-Weltkulturerbe. Die Stadt bietet zudem eine gute Auswahl an Museen, wie dem KGB-Museum, Nationalmuseum, Museum der Okkupation und Freiheitskämpfe (früher Museum der Opfer des Genozids) und The Green House (siehe Beitragsfoto), einer Holocaust Exposition. Nicht weit von Vilnius entfernt liegen die Wasserburg in Trakai und der Trakai-Nationalpark. Zwischen Vilnius und Kaunas liegt die archäologische Stätte Kernavė, die ebenfalls ein UNESCO-Weltkulturerbe ist. Kaunas mit Burg und Altstadt war im Jahr 2022 eine europäische Kulturhauptstadt. Zudem beherbergt die Stadt das Teufelsmuseum und in der Nähe im Dorf Rumšiškės liegt das litauische Freilichtmuseum. Das Nemunas-Tal ist bekannt für historische Orte und Schlösser. Die Hafenstadt Klaipeda gilt als Tor zur Kurischen Nehrung mit ihren Dünenstränden. Das litauische Seebad Palanga bietet restaurierte Häuser und ein Bernsteinmuseum. Vielleicht etwas skurril anmutet der Berg der Kreuze.
Kulinarisches
Man kann zwei unterschiedliche Traditionen unterteilen: die alte litauische Küche (15.–18. Jh.) und die neue litauische Küche (19.–20. Jh.).
Die alte litauische Küche unterschiedet sich von jenen der anderen baltischen Küchen. Dabei spielen örtliche, russische und polnische Traditionen eine Rolle. Beispielsweise kamen Armenier ins Land die, Kohlrouladen (Balandėliai), Pelmeni (Koldūnai), Wareniki (Virtiniai) und Fischeintöpfe mit Gemüse mitbrachten. Durch die Mongolen kamen Teiggerichte wie Pfannkuchen (Blynai) in das Land. Die Angehörigen der Karäer, der kleinsten ethnischen Minderheit des Landes, sind für ihre mit Fleisch oder Pilzen gefüllten, gebackenen Teigtaschen (Kibinai) bekannt. Im Zeitraum vom 16. bis 18. Jh. verschmolz die litauische Küche mit der polnischen, wodurch bspw. Honig und Wild verstärkt auf den Speiseplan kamen. Litauen war das einzige Land in Europa, in dem Menschen bspw. mit Honig ihren Tribut zahlen konnten. Zu dieser Zeit tranken Bauern Milch, Met und Bier, welches aus der deutschen Küche nach Litauen kam.
Die neue litauische Küche blieb bis zum 19. Jh. relativ einfach, was die nötigsten Produkte und Gerichte anbelangt. Aus der alten litauischen Küchen wurden bspw. die alten Räuchertechniken für Fisch und Fleicsh übernommen und verbessert. In diesem Rahmen wurde auch das langsame Räuchern erfunden. Diese Küche spezialisierte sich auf Zwischenmahlzeiten, was für Bauern durch die kurze Zubereitungszeit praktisch war. In der Zeit wurde auch, ausgehend von Deutschland, die Kartoffel eingeführt, was zu Cepelinai (siehe Foto), Vėdarai (Schweinedarm mit Kartoffelfüllung), Kartoffelpuffer oder gekochte Kartoffel mit Quark und Dill führte.
Litauen liegt im Süden des Baltikums. Im Westen grenzt das Land an die Ostsee. Im Nordosten befindet sich die Seenplatte von Hochlitauen. Mit weiteren zahlreichen Seen im Süden und Flüssen sind Fische ein Bestandteile der Küche. Während nur Hecht traditionell genutzt wurde, werden Herring, Zander, Lachs, Aale und weitere Fische inzwischen ebenfalls gegessen. Das Hügelland ist sanft; die höchste Erhebung Litauens ist 294m hoch. Knapp über 30% der Fläche ist von Wäldern bedeckt, was für Pilze, Beeren, wildes Obst und Wild sorgt. Damit können die Landesflächen auch großteils landwirtschaftlich genutzt werden. Der Getreideanbau sorgt für Brot- und Breisorten. Daneben bieten Kartoffeln eine Kohlehydratquelle. Bei Obst und Gemüse werden beispielsweise Kohl, Möhren, Rüben, Gurken, Radieschen, rote Beete (bspw. als Suppe Šaltibarščiai), Meerrettich, Äpfel, Birnen und Pflaumen angebaut. Obst und Gemüse wird durch das Haltbarmachen längerfristig aufbewahrt. Die Vieh- und Milchwirtschaft sorgt zudem für Milchprodukte, wie Kefir, Quark, Schmand und Käse.
Wie so häufig gibt es auch regionale Unterschiede. Vilnius ist bekannt für seinen Fisch, Samogitia für Breie und eine Herringszwiebelsuppe (cibulinė), Aukštaitija für Kartoffelgerichte und Dzūkija für Beeren, Pilze und Gerichte, die man aus Zutaten aus dem Wald zaubern kann.
Fortbewegungsmittel
Neben Auto können Züge und Busse im Land genutzt werden. In Vilnius verkehren Busse bspw. zwischen Flughafen und Stadt.
Berichte
Hier findet ihr meine Berichte zu Litauen:



