Estland

Tallinn

Landesinformationen

Quick Facts

  • Amtlicher Name: Republik Estland
  • Einwohner: 1,4 Millionen (Schätzung 2025)
  • Hauptstadt: Tallinn
  • Amtssprache: Estnisch
  • Religion: am ehesten konfessionslos
  • Währung: Euro
  • Beste Reisezeit: Frühling bis Herbst

Die mit dem Deutschen Orden ins Land gekommenen Vasallen hatten sich im Jahr 1252 zu einer autonomen Landesverwaltung zusammengeschlossen. Der Süden Estlands wurde in dieser Zeit häufig Marienland (Maarjamaa) genannt. Nach der Herrschaft des Ordens im Jahr 1561 nahmen Städte und Ritterschaften die Selbstverwaltungsaufgaben wahr. Diese Autonomie blieb auch nach der russischen Eroberung Estlands im großen nordischen Krieg von 1710 unberührt. Die Oberschicht der Stadtbürger und Gutsbesitzer war, wie in Lettland, deutschsprachig.

Bei der Entwicklung der eigenen kulturellen und politischen Identität spielte die Universität Tartu eine zentrale Rolle. Während des Zerfalls des russischen Reiches erlangte Estland am 24. Februar 1918 seine Unabhängigkeit. Im Frieden von Dorpat zwei Jahre später wurde Estland von der Sowjetunion anerkannt. Die Abwehr gegen den Bolschewismus bestimmte den innenpolitischen Kurs. Nach dem Staatsstreich im Jahr 1934 errichtete Konstantin Päts ein autoritäres Regime. Im Gegensatz zu seinen Amtskollegen in Lettland und Litauen beseitigte Päts die demokratische Ordnung nicht vollständig.

Im Jahr 1940 wurde Estland wie auch Litauen und Lettland von der Sowjetunion entsprechend des Hitler-Stalin-Pakts annektiert. Anschließend erfolgten, ähnlich wie in den anderen baltischen Staaten, die Ermordungen und Massendeportationen von Esten, insbesondere aus dem Besitz- und Bildungsbürgertum. Viele kamen in den Straflagern des Gulag ums Leben. Nach dem deutschen Überfall auf die Sowjetunion wurde das Land von deutschen Truppen besetzt. In dieser Zeit wurde der NS-Völkermord an den Juden im Land durchgesetzt. Nach der erneuten Besetzung durch die Rote Armee im Herbst 1944 wurde das Land unter Wiederherstellung der Estnischen Sozialistischen Sowjetrepublik in die Sowjetunion eingegliedert. Die Massendeportationen wurden fortgesetzt, dafür wurden nichtestnische Sowjetbürger angesiedelt.

Am 30. März 1990 erklärte Estland sich zur Republik und verzichtete in der Folge auf eine weitere Mitarbeit im Obersten Sowjet der UdSSR. Im Folgejahr wurden der KGB und alle Organe der kommunistischen Partei der Sowjetunion verboten.

Sehenswürdigkeiten und bekannte Orte

Tallinn

Estland war durch seine politische Entwicklung und Besiedlungsgeschichte (Dänemark, Deutschland, Schweden und Russland) immer ein interkulturelles Land. Die estnische Kultur und Architektur wurde etwa 800 Jahren durch die ortsansässige deutschbaltische Oberschicht geprägt. Den großen Städten, insbesondere Tallinn, sieht man die Zeit der Hanse an. Ab dem Jahr 1850 setzte eine verstärkte Russifizierung ein, die ebenfalls zu sehen ist. Viele Orte sind noch von Holzhäusern geprägt, auch wenn Plattenbauten daneben stehen.

In Tallinn findet man neben einer orthodoxen Alexander-Newski-Kathedrale  die Reste der Stadtmauer. In der Altstadt ist das Bild (siehe Foto) mittelalterlich geprägt, auch wenn weiter weg Plattenbauten stehen. Das estnische Meeresmuseum soll zu den besten Europas zählen, aber auch sonst gibt es einiges zu sehen und erleben.

Zum Lahemaa Nationalpark werden von Tallinn aus Touren angeboten. Zwischen Kiefernwald und Küste mit ihren Findlingen verlaufen Wanderwege. Zwischen Tallinn und dem Lahemaa Nationapark liegt der Jägala-Wasserfall. Weiter östlich, auf dem Weg nach Alutaguse, kommt man an Rakvere vorbei. Die gleichnamige Burg wird inzwischen als Erlebnisburg genutzt. Im Alutaguse Wald, einem feucht-kargen Sumpfgebiet, kann man Bärenbeobachtungen machen. Von hier aus ist es nicht weit nach Narwa und zur russischen Grenze. In Narwa wohnen viele Menschen der russischsprachigen Minderheit. Besichtigen kann man Festungen und Kasematten sowie das Kreenholm-Gelände und Manufaktur der ehemaligen Textilfabrik. Von Narwa aus kann man den ehemaligen Kurort Narwa-Joesuu an der Ostsee und die Planstadt Sillamäe besichtigen.

Weiter im Süden liegt Tartu, die zweitgrößte Stadt des Landes und Sitz der ältesten Universität des Landes. Die ehemalige Hansestadt war im Jahr 2024 neben Bad Ischl (Österreich) und Bodø (Norwegen) eine der drei Europäischen Kulturhauptstädte. In Tartu findet man auch das Nationalmuseum. Wer von Tartu nach Westen fährt, kommt mehr oder weniger am Soomaa Nationalpark vorbei, wo man beim Moorschuhwandern und Kayak fahren die Natur entdecken kann. Vom Nationalpark ist es nur ein Sprung zum Seebad Pärnu. Von hier aus ist es nicht weit bis zur Insel Saaremaa, die durch ihre Lage kaum von der Russifizierungspolitik berührt wurde. Noch abgelegener ist die Insel Kihnu, die wohl in Frauenhand liegt. Fahren wir etwas nördlich, kommen wir zur Stadt Haapsalu, die früher einen Bischofssitz hatte.

Kulinarisches

Tallinn

Estland befindet sich im Norden des Baltikums, mit längerem Zugang zur Ostsee. Im seenreiche Wald- und Hügelland mit vielen Mooren macht Wald über der Hälfte der Landfläche aus. Dies führt zur Nutzung von Waldfrüchten, Pilzen und Wild (wie bei der Elchsuppe im Bild) sowie Fischen. Ein typisches Gericht ist Salzhering mit gekochten Kartoffeln, saurer Sahne und Zwiebelringen. Gemüse, Kartoffeln, Getreide (Roggen), Fleisch (Schweinefleisch) und Milch und Milchprodukte kommen durch die Landwirtschaft hinzu.

Die estnische Küche wurde von der skandinavischen, russischen und deutschen Küche beeinflusst. Die Küche ist schlicht und basiert, natürlich, auf den Lebensmitteln, die das Land hergibt. Insbesondere Milch und andere Milchprodukte wie Buttermilch und saure Sahne sind, ähnlich wie in Finnland, oft ein Bestandteil estnischer Rezepte. Die Käse-Haferkekse Kaerahelbeküsised juustoga passen in diese Reihe der schlichten Gerichte. Kohl wird u.a. zu Sauerkraut weiterverarbeitet. Es werden, ähnlich wie in Finnland, traditionelle wenige Gewürze eingesetzt. Dill für Strömlinge, Majoran für Blutwurst, Kümmel für Quark und Petersilie und Sellerie für Fleischsuppen.

Während der Industrialisierung in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts wurden Produkte wie Grieß, Zucker, Reis, Kaffee und Gewürze eingeführt. In den 1920er und 30er Jahre kamen beispielsweise eingelegte Gurken, eingelegte Kürbisse, Leberpâté, Kartoffelbrei und Mayosalat hinzu. In der Sowjetzeit war das alltägliche Essen durch die zu der Zeit verfügbaren Lebensmittel und importierte Gerichte bestimmt. So wurden borš, seljanka, rassolnik und pelmeenid in Kantinen und Restaurants angeboten und Desserts wie kirju koer (Kakaopulver und Butter vermischt mit zerkrümelten Keksen und Marmelade, über Nacht im Gefrierschrank gelagert) und kaas Artu (Softtoffee und Butter vermischt mit Maissticks, ebenfalls für eine Nacht im Gefrierschrank)  erfunden, um mit den wenigen Lebensmitteln etwas schmackhaftes zu zaubern. Mit dem Ende der Sowjetunion kamen die Freuden und Laster der Globalisierung auch in Estland an.

Fortbewegungsmittel

In den größeren Städten gibt es ein Netz von Buslinien, in Tallinn zusätzlich Straßenbahnlinien und Obusse. Zwischen den Orten kann man Zug, Bus oder das Auto nutzen. Zu den größeren Inseln fahren Fährschiffe.

Berichte

Hier findet ihr meine Berichte zu Estland: