Der Ritter in der rostenden Rüstung

Wer gerne kocht und liest wird die Situation kennen: im Buch wird ein opulentes Mahl in allen Einzelheiten beschrieben und am liebsten würde man es sofort nachkochen. Genau dieses Thema hat sich Shermin ausgesucht, die in ihrem bibliophil-kulinarischen Dauerevent Lesehunger! nach Beiträgen, die Buch und Essen verbinden, sucht.

Der Ritter in der rostenden Rüstung

Eines meiner Lieblingsbücher ist „Der Ritter in der rostenden Rüstung“** von Robert Fisher. Dieses moderne Märchen für Erwachsene ist einfach, jedoch witzig geschrieben und bringt einem zum Nachdenken. Es geht grob gesagt um den Sinn des Lebens. Jeder Mensch legt einen mehr oder weniger dicken Schutzanzug an.
Beim Protagonisten des Buches ist dies eine Rüstung, die er selbst nicht mehr spürt. Geschweigedenn andere wahrnimmt. Seine Frau, genervt von ihrem Mann, stellt den Ritter vor die Wahl Rüstung oder sie. Nur leider klemmt irgendwann diese Rüstung, wodurch er sich nicht daraus befreien kann. Nachdem selbst die Bemühungen des Schmiedes, dem stärksten Mann des Reiches, erfolglos sind, versucht der Ritter es bei Merlin dem Zauberer. Merlin findet ihn schließlich nach monatelangem herumirren. Der Zauberer schickt den verzweifelten Ritter auf den Weg der Wahrheit einen Berg hoch, wo er einige Prüfungen bestehen muss, u.a. im Schloss der Selbsterkenntnis.

„Vor langer Zeit lebte einst in einem fernen Land ein Ritter, der sich für gut, freundlich und liebevoll hielt. Er tat all die Dinge, die gute, freundliche und liebevolle Ritter tun. 
Er kämpfte gegen Feinde, die böse, gemein und gehässig waren. Er tötete Drachen und befreite schöne Burgfräulein aus ihrer Not. Wenn das Rittergewerbe einmal nicht so gut lief, hatte er die lästige Angewohnheit, sogar Burgfräulein zu befreien, die gar nicht befreit werden wollten, und so waren ihm zwar viele edle Damen dankbar, aber viele waren aber auch wütend auf ihn. Diesen Umstand nahm er jedoch mit philosophischer Gelassenheit hin. Schließlich kann man es nicht allen recht machen. […]
Dieser Ritter hatte eine treue und gewissermaßen nachsichtige Frau, die Juliet hieß, wunderschöne Gedichte schrieb, kluge Dinge sagte und eine Schwäche für Wein hatte.“

Der Ritter in der rostenden Rüstung

„In großer Aufregung schritt der Ritter auf und ab. Wie hatte das nur geschehen können? Vielleicht war es nicht so überraschend, dass der Helm klemmte, denn er hatte ihn seit Jahren nicht mehr abgenommen, doch mit dem Visier war es etwas anderes. Das hatte er zum Essen und Trinken regelmäßig geöffnet. Ja, heute morgen noch, beim Frühstück aus Rühreiern und Spanferkel, hatte er es hochgeklappt.“

Sorry, viel zu satt für ein solches Essen…

„Das Essen bereitete dem Ritter an jenem Abend große Schwierigkeiten. Juliet wurde immer ärgerlicher, während sie dem Ritter das pürierte Essen häppchenweise durch die Löcher im Visier drückte. Zwischendurch erzählte der Ritter Juliet, dass der Schmied versucht hätte, die Rüstung zu spalten, und dass es ihm nicht gelungen war.
„Ich glaube dir kein Wort , du scheppernder Klotz“ schrie Juliet, und knallte dem Ritter den halbvollen Teller mit Taubeneintopf auf den Helm.“

Tut mir leid, die Tauben müssen noch ein wenig warten, zumal ich sie sicherlich nicht pürieren würde. Auch pürierte Lammkoteletts, wie später erwähnt, lassen nicht das Wasser im Mund zusammen laufen.
In Merlins Wald:

„Widerstrebend musste er sich eingestehen, dass er nicht einmal die giftigen Beeren von den essbaren unterscheiden konnte. Das machte aus jeder Mahlzeit eine Art Russisches Roulette. Trinken war nicht weniger gefährlich. Der Ritter versuchte, den Kopf in einen Fluss zu stecken, doch sein Helm füllte sich mit Wasser. Zweimal wäre er dabei fast ertrunken. Zu allem Übel hatte er sich auch noch verirrt, kaum dass er in den Wald hineingeritten war. Der Ritter wusste nicht einmal, wo Nord und Süd, Ost und West war. Glücklicherweise wusste es sein Pferd.“

Der Ritter in der rostenden Rüstung

„Als der Ritter aufwachte, sah er sich von Merlin und den Tieren umringt. Er versuchte, sich aufzusetzen, aber er war zu schwach. Merlin reichte ihm einen silbernen Kelch mit einer Flüssigkeit von merkwürdiger Farbe. „Trink das“, befahl er.
„Was ist das?“ Der Ritter musterte den Kelch misstrauisch.
„Du bist so ängstlich“, antwortete Merlin. „Aber das war ja schließlich auch der Grund, weshalb du diese Rüstung überhaupt erst angelegt hast.“
Der Ritter machte sich nicht die Mühe, das zu leugnen. er hatte einfach zu großen Drst.
„Also gut. Schütte es in mein Visier.“
„Das werde ich nicht tun. Es ist zu kostbar, um es zu verschwenden.“ Merlin pflückte ein Schilfrohr, steckte das eine Ende in den Kelch und das andere durch eines der Löcher im Visier des Helms.
„Das ist eine tolle Idee!“ sagte der Ritter.
„Ich nenne es einen Strohhalm“, antwortete Merlin.
„Warum?“
„Warum nicht?“
Der Ritter zuckte die Schultern und schlürfte die Flüssigkeit durch das Schilfrohr. Die ersten Schlucke schmeckten bitter, die nächsten angenehmer, und die letzten waren einfach nur köstlich. Dankbar gab der Ritter den Kelch zurück.“

Merkwürdig schmeckt auch Hyprocras, ein mittelalterlicher Dessertwein/Gewürzwein, der aus Wein, Rosenwasser, Zucker und Zimt hergestellt wird. Da er nach dem Rezept von Nimrodel etwas ziehen muss, wird er erst beim Dessert eingeschenkt.

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Finnische Ofenpfannkuchen
Küchenstil Finnisch
Portionen
Zutaten
Küchenstil Finnisch
Portionen
Zutaten
Anleitungen
  1. Alle Zutaten mischen und auf das gefettete Blech gießen. Den Pfannkuchen etwa 25 Minuten im 200°C vorgeheizten Ofen backen. Der Rand des Backblechs sollte hoch genug sein.

„Nachdem er nun den Helm losgeworden war, konnte er ohne Hörnchens Hilfe Nüsse essen. Zwar war er für die lebenserhaltende Maßnahme sehr dankbar gewesen, doch die vornheme Lebensart sah in seinen Augen wahrhaft anders aus. Außerdem konnte er sich die Früchte und Wurzeln, an die er sich gewöhnt hatte, nun selbst verabreichen. Nie wieder würde er Taube oder irgendeine andere Sorte Geflügel oder Fleisch essen, denn seine Freunde verspeist man nun einmal nicht zum Abendessen – man lädt sie dazu ein.“

Mit Mittelalter und Fleisch verbinde ich Mittelalterliches Gulasch nach dem Rezept von GioachinoCGN. Statt Speck kamen kleinere Salamiwürfel hinein (nicht passend, aber im Vorrat) und gegen Ende fügte ich einzelne Zwetschgen hinzu. Als Beilage gab es diesmal Nudeln. Spätzle, insbesondere Walnussspätzle, würden auch perfekt dazu passen, jedoch war mein Hungergefühl zu groß, um noch die Energie aufzubringen Spätzle vom Brett zu schaben. Die Vorspeise könnte ein Feldsalat mit Speckwürfeln und karamellisierten Walnüssen bilden.

Der Ritter in der rostenden Rüstung

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Mittelalterliches Gulasch
Menüart Fleischgericht
Küchenstil Regional
Portionen
Zutaten
Menüart Fleischgericht
Küchenstil Regional
Portionen
Zutaten
Anleitungen
  1. Speck auslassen, wenn genug Fett daran ist. Ansonsten gleich mit dem Anbraten der Zwiebeln beginnen. Gehackten Knobi hinzufügen, dann das Fleisch anbraten. Mit Salz, Pfeffer und Ingwer würzen. Nun das Gulasch mit Wein aufgießen und die restlichen Gewürze hinzufügen.
  2. Den Topf etwa 1 1/2 Stunden bei niedriger Temperatur köcheln lassen. Bei Bedarf mit Brühe auffüllen und zum Schluss die halbierten Zwetschgen hinzufügen.

Zwetschgen-Kaktusfeigen-Kompott mit Eis bildeten die Nachspeise.
Der Ritter in der rostenden Rüstung

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Kaktusfeigen-Zwetschgen-Kompott
Menüart Obst
Portionen
Menüart Obst
Portionen
Anleitungen
  1. Die halbierten Zwetschgen und die Kaktusfeigenwürfel mit Zucker marinieren, bevor die weiteren Zutaten hinzugefügt werden. Den Topf köcheln lassen, bis das Kompott die richtige Konsistenz erreicht hat.
  2. Dazu passen Vanille- oder Schokoeis.

Zum Thema Mittelalter wäre ein reines Zwetschgenkompott mit selbstgemachtem Milcheis, gewürzt mit Zimt und Rosenwasser fast einen Ticken besser gewesen. Beim nächsten Mal 😉

„Der Ritter und Rebecca folgten Hörnchen in den Burghof. Die stämmigen Äste des großen Baumes beugten sich unter dem Gewicht der rötesten, gläzendsten Äpfel, die der Ritter jemals gesehen hatte.
„Das sind vielleicht ein paar Früchtchen, was?“ witzelte Sam.
Der Ritter kicherte. Auf einer Steintafel neben dem Baum fand er eine Inschrift:
   Ich biet‘ dir gerne meine Früchte
   und erwart‘ keinen Lohn.
   Um den Ehrgeiz
   geht’s dann in der nächsten Lektion.
Der Ritter grübelte über diese Worte nach, aber, ganz ehrlich, er verstand nicht, was sie bedeuteten.“

Die Apfelküchle dazu werd ich noch dieses Wochenende zubereiten – hoff ich.

Das war mein Beitrag zum Lesehunger!

Der Ritter in der rostenden Rüstung
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3 Kommentare

  1. Liebe Daniela,

    wow – du steigst ja gleich mit einem Menü ein. 🙂 Hypcras habe ich auch schon oft selbstgemacht, kann mir vorstellen, dass der hervorragend zu Zwetschgen passt. Und Mittelaltergulasch (obwohl man damit ja Freunde ist…. ;)) klingt auch wunderbar. Vielen, lieben Dank dafür, dass du mich mit diesem Buch bekannt gemacht hast. Habe herzlich gelacht.

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