Urlaub: Neapel

Nachdem ich schon vor zig Jahren einmal in und um Sorrento war, sollte es diesen Sommer wieder in die Ecke gehen. Benevento war bereits gesetzt. Für die Ausflüge, die ich mir überlegte, war Neapel als Hauptstadt der Region Kampanien und entsprechend gutem Bahnnetz die einfachste Ausgangsbasis, obwohl ich es als voll, chaotisch, stinkend und dreckig in Erinnerung hatte. Dadurch passte das Sprichwort „Vedi Neapoli e poi muori“ (sieh Neapel und dann stirb) bei mir nicht, auch wenn schon Goethe auf seiner Italienreise von Neapel begeistert war. Ganz glücklich war ich mit der Wahl nicht, aber irgendwelche Haken gibt es immer.

Mobilität

Vom Flughafen in die Stadt gelangt man am einfachsten mit einem Taxi oder Alibus, der den Hauptbahnhof (Napoli Centrale) anfährt. In Neapel fahren Busse und mehrere Metrolinien bis in die Vororte. Besonders schön ist die Station Toledo. Man kann aber viel zu Fuß besichtigten. Je nach geplanten Sehenswürdigkeiten können sich Naples Card oder ArteCard Napoli bzw. Campania lohnen. Die Naples Card (bzw. eine der Varianten davon) fokussiert sich auf Neapel und bietet zusätzlich Vergünstigungen in Restaurants und Läden. ArteCard Napoli 3 days ist auf drei Tage ausgelegt und bietet Vergünstigungen für Sehenswürdigkeiten. Die ArteCard Campania zählt für Kampanien, je nach Länge mit (3 Tage) oder ohne (7 Tage) öffentliche Verkehrsmittel (auch hier gibt es Ausnahmen). In der 7 Tage Variante sind dafür fünf statt drei Sehenswürdigkeiten inbegriffen. Für weitere Sehenswürdigkeiten erhält man bis zu 50% Rabatt. Auf Grund der Sehenswürdigkeiten entschied ich mich für den Aufenthalt für die ArteCard Campania, zumal die Preise für die öffentlichen Verkehrsmittel im Vergleich zu Deutschland niedriger sind.

Sehenswürdigkeiten

Viele Sehenswürdigkeiten und schöne Gassen befinden sich in der Altstadt (Centro Storico), die zum UNESCO Weltkulturerbe gehört. Entlang der Einkaufsstraße Spaccanapoli (Neapel-Spalter, eigentlich Via Benedetto Croce und Via Vicaria Vecchia) liegen viele kleinere Läden, Straßenimbisse und Restaurants. Der Name Altstadt ist dabei leicht irreführend, da auch der Rest der Stadt historisch ist. Egal wo findet man leider überall etwas Müll und Gestank. Daher aufpassen, wo man hintritt! Dies gilt ebenso für den etwas wilderen Verkehr. Auch wenn ich davon nichts bemerkte, sollte man sich noch vor Diebstählen in Acht nehmen.

Festungen wie Castel Sant’Elmo

In Neapel gibt es mehrere Festungen, wie Castel Nouvo, Castel dell’Ovo und Castel Sant’Elmo. Ich besichtigte sie der Reihe nach bei einem Spaziergang am Ufer bzw. durch die Viertel Quartieri Spagnoli und Vomero. Castel dell’Ovo war leider wegen Renovierungsarbeiten geschlossen.

Auf dem Weg von Castel dell’Ovo zum Castel Sant’Elmo machte ich einen kurzen Halt am Piazza del Plebiscito. Vom 25.000 qm großen Platz aus hat man einen guten Blick zum Castel Sant’Elmo, wie man am Bild sieht. Der monumentale und gleichzeitig kahle Platz selbst ist umrundet von Prachtbauten und verziert durch Reiterstatuen. Eines der wichtigsten Gebäude am Platz ist der klassizistischem Königspalast Palazzo Reale di Napoli. Links auf dem Bild ist die Basilica Reale Pontificia San Francesco da Paola zu sehen, die man kostenlos besichtigen kann. An der nördlichen Seite befindet sich das Caffè Gambrinus, ein Café mit 150 Jahren Geschichte und etwas höheren Preisen. Von hier aus gelangt man in die Via Toledo, die Einkaufsstraße schlechthin, und in die Galleria Umberto I.

Ich war jedoch nicht zum Einkaufen unterwegs. Der weitere Weg führte zunächst durch das Quartieri Spagnoli (spanisches Viertel), ein lebhaftes, aber auch eng bebautes Viertel, welches den Soldaten der spanischen Vizekönige Unterkunft bot. Im Viertel findet man übrigens einen etwas skurrilen Maradona-Schrein, der einen Großteils seines Lebens hier wohnte. Darauf anschließend ging es durch das eher gediegene Vomero mit gepflegten Altbauten, baumgesäumten Alleen und etwas weniger Gestank.

Für den Aufstieg entschädigte die Aussicht von Castel Sant’Elmo. Das linke Bild zeigt u.a. das Viertel Santa Lucia und somit Castel dell’Ovo. Das rechte Bild ist in Richtung phlegräische Felder aufgenommen. Schaut man auf die Altstadt, kann man ganz einfach die Spaccanapoli erkennen. Wer sich den Eintritt sparen will, findet unterhalb der Festung eine Aussichtsterrasse mit Blick Richtung Altstadt und Vesuv. Der Bau von Sant’Elmo wurde 1329 gestartet und 1343 abgeschlossen. Der spanische Vizekönig von Neapel Pedro Álvarez de Toledo ließ die Festung Mitte des 16. Jahrhunderts wiederaufbauen. Während des Masaniello-Aufstands fand der spanische Vizekönig in der Festung Zuflucht vor den Revolutionären. Von 1860 bis 1952 diente die Festung als Militärgefängnis und blieb anschließend bis 1979 in Militärbesitz. Seit 1982 ist sie für die Öffentlichkeit zugänglich. Direkt neben bzw. unterhalb der Festung liegt der barocke Klosterkomplex Certosa di San Martino.

Der Abstieg führte erneut durch das Viertel Quartieri Spangoli. Das Bild habe ich auf dem Weg aufgenommen. Einige Gebäude sind verfallen, der Weg selbst ist alles andere als sauber und dann findet man zwischendrin Graffiti und andere Kunstwerke.

Neapels Untergrund

Der Untergrund (Sotteranea) von Neapel ist inzwischen eine der beliebteren Sehenswürdigkeiten. Vor 5000 Jahren wurde begonnen, den Tuffstein zur Errichtung von Gebäuden in Neapel abzubauen, so dass Höhlen entstanden. Diese wurden mit der Zeit durch Korridore verknüpft. Seit griechisch-römischer Zeit bis etwa 1850 wurde die Stadt über Aquädukte und Wasserspeicher mit Wasser versorgt. Im zweiten Weltkrieg wurde der Untergrund als Bunker zweckentfremdet, bevor das etwa 80 Kilometer lange Netz aus Gängen, Höhlen, Zisternen und Brunnen immer mehr vermüllte. Das Foto ist in der Galleria Borbonica, dem Tunnel zwischen Palast und den Kasernen entstanden. Die Fahrzeuge wurden nach dem zweiten Weltkrieg in den 50er Jahren beschlagnahmt. Beispielsweise steht ein Taxi dort, nachdem es nicht die modernen Blinker benutzte. Diese waren zwar montiert, aber nicht angeschlossen. Die Galleria Borbonica wurde erst 2005 wiederentdeckt und ist seit 206 der Öffentlichkeit zugänglich. Zusätzlich hatte ich eine Sotteranea-Führung im Viertel Quartieri Spagnoli mitgemacht, in welcher wir Teilnehmer seitlich durch enge Tunnel gehen durften. Neben der Kirche San Paolo Maggiore an der Spaccanapoli werden beispielsweise weitere Touren angeboten, in der man wohl auch die Reste eines römischen Theaters sehen kann.

Krippenstraße Via San Gregorio

Die Krippen von Neapel in der Via San Gregorio Armeno, die von der Spaccanapoli abzweigt, zeigen nicht nur die Geburt Christi, sondern jegliche Situationen des alltäglichen Lebens und bieten somit auch Kuriositäten. Als ich unterwegs war, gab es viele Fußballer. In Neapel kann man wie auch in Rom mehrere Katakomben besichtigen. Die Katakomben von San Gennaro sind dabei die größten mit rund 2000 Grabstätten und 500 Nischengräbern, die rund 2000 Jahre alt sind. Nachdem ich eine Führung in Rom mitgemacht hatte und mehrere dort von außen sah, entschied ich mich in Neapel dagegen.

Kirchen, Klöster, Kreuzgänge und Altäre

Allgemein kann ich empfehlen, in die vielen Kirchen, wie den Duomo di san Gennaro, die Chiesa del Gesù Nuovo mit ihrer auffallenden Steinfassade oder den Complesso Monumentale di Santa Chiara mit Basilika Santa Chiara und dem Chiostro delle Maioliche zu schlendern. Bei letzterem war ich zunächst skeptisch zwecks des Eintritts für den Kreuzgang. Dieser entpuppte sich, wie man auf dem Foto sieht, als bunte, ruhige Oase in der so chaotischen Altstadt. Die Anlage entstand übrigens schon ab dem Jahr 1310. Die Wände des Kreuzganges werden von Fresken aus dem 17. Jahrhundert geziert und nebenan gibt es ein kleines Museum zur Geschichte des Klosters.

Insbesondere in den Quartieri Spagnoli, aber auch sonst in der Innenstadt findet man an fast jedem Eck kleine Hausaltäre und andere christlichen Objekte. Hier habe ich einen doch etwas ungewöhnlichen gefunden.

Museo Archeologico Nazionale di Napoli (MANN)

Das archäologische Museum ist eines der wichtigsten geschichtlichen Museen in Italien und entsprechend eine Top-Sehenswürdigkeit in Neapel. Das Museum zeigt viele Schätze aus Pompeij und Ercolano (Herakulaneum), griechische und römische Skulpturen, Fresken, Keramiken und Mosaike. Außerdem gibt es Fundstücke aus prähistorischer Zeit und eine ägyptische Sammlung. Ich entschied mich für einen Besuch in der Früh. Rucksäcke und andere größere Gepäckstücke muss man vorab an der kostenlosen Garderobe abgeben und kann anschließend die vielen Stockwerke besichtigen. Für die Schuhüberzieher in einem Flügel ist nochmals eine kleine Gebühr fällig, die sich aus meiner Sicht lohnt. Für den Besuch kann man leicht drei bis vier Stunden aufbringen. Eine kleine Verschnaufpause kann man im schönen Innenhof einlegen, in dem man mit Glück Trinkwasser findet.

Kulinarisches

Neben der berühmten Pizza sind Fischgerichte (Neapel liegt am Mittelmeer), Pasta, Gerichte mit Ricotta und Mozzarella sowie Süßspeisen angesagt. Nachdem ich mir relativ sicher war, in Benevento einiges verköstigen zu können, konzentrierte ich mich auf lokale Besonderheiten.

Frittierte Pizza (Pizza Fritta)

Das berühmteste Gericht von Neapel ist die Pizza. Sie trat ab 1889 ihren Siegeszug an, nachdem ein Neapolitaner einen dünnen gebackenen Hefeteig mit Tomate, Mozzarella und Basilikum belegt Königin Margherita vorsetzte. Für eine Pizza Margherita zahlt man in Neapel kaum Geld. Die andere klassische Alternative ist Pizza Marinara mit Tomatensauce, Knoblauch und Oregano.

Was mich aber schon länger reizte, war Pizza fritta, also frittierte Calzone. Ich konnte mir darunter nichts (leckeres) vorstellen und war entsprechend neugierig. Diese gibt es genauso wie die Pizza Margherita an jeder Straßenecke für den schnellen Hunger. Geschmacklich ähnlich wie „normale“ Pizza macht sie gut satt.

Süßigkeiten und Eis

Babá (lockeres Gebäck in Pilzform, teils mit Füllung, und getränkt in Rum oder Limoncello) und Sofgliatelle (Blätterteigteilchen mit Ricottafüllung) findet man überall. In Benevento wurde Babá in Strego-Likör getränkt serviert, was ebenso lecker war. Was mich hier anlachte, war ein Eis in einer Blätterteig-Schoko-Waffel mit Pistaziensauce und Pistazienstücken. Bei den sommerlichen Temperaturen schmolz es schneller als es mir lieb war.

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