Urlaub: Krakau

Für mich ging es vor kurzem für knapp drei Tage nach Krakau, der zweitgrößten Stadt Polens. Krakau habe ich, genauso wie Warschau und Danzig, mir schon vor ein paar Jahren vorgenommen – damals wahnwitzigerweise noch bei einer Wochenreise – wurde aber kurzfristig krank und sagte lieber die Reise aus. Dieses Jahr versuche ich wenigstens einen Teil nachzuholen. Krakau ist eine Studentenstadt mit vielen historischen Gebäuden. Zudem hat sie auch viel geschichtliches aus den letzten 100 Jahren zu bieten. Die ehemalige Hauptstadt zählt zu den ältesten und schönsten Städten Polens. Die Stadt an der Weichsel liegt in Kleinpolen. Im Gegensatz zu vielen anderen Städten wurde Krakau während des Zweiten Weltkriegs nicht zerstört.

Im 6. Jahrhundert wohnte der Stammesfürst und Stadtgründer Krak, auch Krakus oder Gracchus geschrieben, auf dem Wawelhügel. Laut der im 13. Jahrhundert schriftlich festgehaltenen Sage gelang es Krak, Unheil von seinen Leuten abzuwenden, indem er ein in einer Höhle des Wawelhügels hausendes Ungeheuer überlistete. Zwei Hügelgräber und die Drachenhöhle unterhalb des Wawelschlosses erinnern an diese Zeit. Nichtsdestotrotz gibt es den Namen Krakau häufiger.

Ich entschied mich für ein längeres Wochenende, eben diese knapp drei Tage, die meiner Meinung nach eigentlich zu kurz sind. Am Tag der Anreise ging es mit dem Bus 208 ins Zentrum. Neben 208 fahren auch Bus 308 sowie die S1 Richtung Altstadt. Die meisten Sehenswürdigkeiten und Hotels liegen entweder in der Altstadt oder im jüdischen Viertel Kazimierz. Dies nutzte ich am ersten Tag gleich aus. Der zweite Tag führte mich nach Ausschwitz und Wieliczka. Den letzten Tag lies ich ruhiger angehen mit einer Stadtführung, bevor es wieder zurück ging.

Sehenswürdigkeiten

Die Altstadt Krakaus gehört seit 1978 zum Weltkulturerbe der UNESCO. Neben über 100 Kirchen und Klöstern hat die Stadt 28 Museen, das jüdische Viertel Kazimierz und über 200 Kneipen. Krakau kann man auf verschiedenen Wegen entdecken. So gibt es einen königlichen Weg, einen Universitätsweg, Weg Johannes Pauls II., Weg der jüdischen Baudenkmäler usw. Durch Zufall ging ich meist auf dem königlichen Weg.

Nachdem ich leider zu früh fürs Hotel Einchecken ankam, wanderte ich an der Stadtmauer und dem Park Planty entlang ein wenig in das Zentrum.

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Das erste größere Ziel war der Hauptmarkt Rynek Glówny mit der Tuchhalle. Unter der Tuchhalle befindet sich die Unterwelt, ein Museum mit Ausgrabungen, wo man zunächst am Türsteher – Museumspersonal – vorbei muss.

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Vom Turm am Hauptmarkt hat man einen guten Ausblick und erfährt zudem etwas über das Essen in der Region sowie die historische Wandlung dessen. Natürlich durften Kirchen, wie die Marienkirche nicht fehlen. Mit Glück hört man von dort den Trompeter.

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Leider wurde es regnerisch, so dass ich schneller zum Cafe mit dem Obwarzanek-Backworkshop ging. Seit dem 28. November 2006 steht der Obwarzanek krakowski als Krakauer Traditionsprodukt auf der polnischen Liste traditioneller Produkte. Die Straßenstände mit frischen Obwarzanki findet man wirklich überall. Nur die mit dem EU-Siegel und den Streifen vom Gitter am Boden sind die „Echten“. Die mit Noppen werden in Formen gebacken. Wie die Heferinge gebacken werden, wollte ich natürlich selbst erfahren. Der Teig wird aus Mehl, Fett, Zucker, Hefe, Salz und Wasser geknetet. Hergestellt wird das Hefegebäck aus zwei Hefeteigsträngen, die verdreht werden. Abschließend werden die Enden miteinander verbunden. Der Teigring wird zunächst in Salzwasser blanchiert, um die Hefe am weiteren Gehen zu hindern, bevor er bestreut in den Backofen kommt. Typischer „Belag“ sind Salz, Käse, eine Gewürzmischung, Sesam, Nuss und Mohn. Durch das Blanchieren hat der Teigring auch seinen Namen: obwarzyć/obwarzać = abkochen oder auch brühen. Bagel stammen übrigens auch ursprünglich aus Krakau, sind jedoch nicht gedreht und fluffiger.

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Das anschließende Einchecken und Handy aufladen im Hotel hat sich dann doch etwas verlängert, wodurch ich Schindlers Fabrik und alles in dem Viertel der Stadt nicht schaffte. Trotzdem versuchte ich möglichst viel zu machen. Von Hotel ging es zum Wawel-Schloss, welches ebenfalls einen guten Ausblick bietet. Zudem ist die Architektur insbesondere der Kathedrale beeindruckend.

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Nächstes Ziel war das jüdische Viertel Kazimierz mit seinen vielen Restaurants. Hier probierte ich auch Zapiekanka, einer Art Pizzabaguette mit Pilzaufstrich, Zwiebeln und Kräutern sowie Käse und Ketchup. Zapiekanka entstanden in den 70er Jahren als Fastfood für die arbeitende Bevölkerung. Der beste Ort für Zapiekanka ist der Plac Nowy Markt im Kazimierz-Viertel. Hier gibt es verschiedene Stände mit unterschiedlichem Andrang. Ich entschied mich für den Laden mit der zweitlängsten Schlange. Die Auswahl an Zapiekanka fiel mir schwierig, nachdem es einfach zu viele Varianten gab. Am Schluss entschied ich mich für ein eher einfaches Baguette mit Pilzen, Wurst, Gurke und Oscypek Käse von der Hohen Tatra. Darüber kam Knoblauchsauce anstelle von Ketchup.

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Abschließend ging es über die Altstadt mit einem Zwischenstopp in einem Supermarkt zurück ins Hotel.

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Witzig fand ich auch die Radler-Varianten im Laden. Ich probierte Limette-Grapefruit und Waldbeere und zu meiner Überraschung schmeckten mir beide.

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Ausflüge

Es gibt einfach zu viel um Krakau zum anschauen. Auch wenn mich die Hohe Tatra auch interessiert hätte, entschied ich mich für zwei typische Ziele: Ausschwitz und das Salzbergwerk von Wieliczka (gesprochen wie village-ka).

Ausschwitz

Beides kann man an einem Tag schaffen, wenn man eine geführte Tour von Krakau nimmt. Der Nachteil einer solchen Tour ist, dass man vor allem in Ausschwitz-Birkenau nicht so lange informieren und schauen, wie man möchte. Wer sich wirklich für Geschichte interessiert, sollte lieber einen ganzen Tag einplanen. Am besten kauft man das Ticket vorab online; vor Ort werden auch Führungen angeboten, wodurch man mehr erfährt. Der Eintritt in das Konzentrationslager ist an sich kostenlos. Es sind nur kleine Taschen in Ausschwitz I erlaubt. In beiden Lagern darf man nicht essen. Zwischen den Lagern fährt ein freier Shuttlebus und nach Ausschwitz selbst gelangt man auch mit Öffentlichen.

Ausschwitz war ein Konzentrationslager in Polen beim Ort Oświęcim, zu deutsch Auschwitz. Das Lager bestand sukzessive aus mehreren Lagerbereichen: Ausschwitz I (Stammlager), Vernichtungslager Ausschwitz II – Birkenau, welches immer wieder erweitert wurde, dem Arbeitslager Monowitz für die I.G. Farben AG und mehreren Außenstationen. In Ausschwitz I kann man sich viele Ausstellungen anschauen – jedoch werden hier in ein paar wenigen viele Tourigruppen durchgeschleust. Block 11 war ein internes Gefängnis mit Stehbunker und Erschießungsmauer.

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Ausschwitz II – Birkenau war zwar größer, aber ist deutlich schneller abgehandelt. Hier kann man eigentlich nur durchs Gelände und wenige Baracken gehen. Besonders die Gleise dürften durch Filme bekannt sein.

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Über die Gleise wurden noch schneller als zuvor insbesondere Juden aus Niederlande, Deutschland, Frankreich, Griechenland, Italien, Jugoslawien, Luxemburg und vielen anderen Ländern zum Lager transportiert.

 

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Hier geschah auch gleich die erste Selektion. Wer alt, schwach oder ein Kind (sowie eine Mutter mit Babys oder Kleinkindern) war, wurde gleich weiter geschickt in die Gaskammern (Stichwort Zyklon B), die von den Nazis gegen Ende des Kriegs zerstört wurden. Grob geschätzt wurden 1,1 bis 1,5 Millionen Menschen im Konzentrationslager auf die ein oder andere Art umgebracht.

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Ich fand Ausschwitz ernüchternd und erschreckend zugleich.

Wieliczka

 

Im Ort Wieliczka (zu deutsch Großes Salz) befindet sich ein durchaus beeindruckendes Salzbergwerk. Es ist eines der ältesten und zugleich bekanntesten Salzbergwerke der Welt. Zusammen mit dem Salzbergwerk Bochnia und dem Salzgrafenschloss Wieliczka bildet es ein UNESCO-Weltkulturerbe. Die Salzsiederei in der Gegend von Wieliczka ist alt. Als die Salzquellen um die Mitte des 13. Jahrhunderts erschöpft waren, wurde unter Tage nach Salzsole gesucht. Dabei wurde die Steinsalzlagerstätte entdeckt. Anfangs war der Bergbau noch eher primitiv. Ab dem 15. Jahrhundert wurden Maschinen und seit dem 17. Jahrhundert Pferde unter Tage eingesetzt. Bis zum 18. Jahrhundert ging der Abbau nur im oberen Teil des Flözes, also etwa 60 m Tiefe; später reichten die Sohlen bis in 340 m Tiefe. Aus den Einnahmen des Salzhandels wurden u.a. Krakau ausgebaut, befestigt und das Heer bezahlt. Der Salzabbau wurde auch während der UdSSR fortgeführt. 1992 löste ein Wassereinbruch einen Tagebruch am Bahnhof und dem Kloster aus, die durch eine Rettungsaktion mitsamt dem Bergwerk gerettet werden konnten. 1993 wurde die Salzförderung schließlich eingestellt. Das Bergwerk dient seitdem ausschließlich dem Tourismus und als Sanatorium. Während einer Führung gelangt man wenigstens bis in eine Tiefe von etwa 130 Metern. Besonders faszinierend fand ich die Salzfiguren, Salzkronleuchter und „Kupfer“stiche, insbesondere in der Kathedrale.

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Das Eis vor dem Bergwerk kann man übrigens durchgehen lassen.

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Stadtführung

Am letzten Tag habe ich mich für eine kostenlose Führung von walkative zum Thema 2. Weltkrieg angemeldet. Die Zeit vor der Führung nutzte ich, um an der Weichsel spazieren zu gehen. So kam ich auch am Drachen des Wawelschlosses vorbei.

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Die Führung war anders als gedacht, aber durchaus interessant. So wurden Geschichten von anderen Helfern als Oskar Schindler erzählt, an dessen ehemaliges Apartment wir vorbei kamen. Auch kamen mehrere Attentatsversuche an Deutsche, wie Hitlers Statthalter und „Schlächter von Polen“ Hans Frank, zu Sprache. Einige Polen haben während der Okkupation Untergrundzeitungen erstellt und gedruckt. Um nicht erkannt zu werden, haben sie eine deutsche Zeitung nachgemacht – bis die Deutschen dies bemerkten und wiederum die Fälschung kopierten. Ich war auch überrascht, Schriften wie Notausstieg an den Häuserwänden im Deutschen Viertel während der Besatzungszeit noch erkennen zu können.

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Essen und Trinken

Ursprünglich wollte ich am zweiten Abend nochmals die polnische Pizza probieren. Wie so häufig ändern sich Pläne. Zwischen den beiden Führungen hatte ich am zweiten Tag Zeit etwas zu Essen. Nachdem mir am Tag zuvor schon ein paar Pierogi-Restaurants aufgefallen sind, versuchte ich dort mein Glück. In einem der Restaurants, Przypiecek am Rande der Altstadt, war noch Platz frei und so bestellte ich dort einen Mix von salzigen Pierogi. Man bestellt zunächst an der Theke, bevor man von dort sich sein Essen holen kann. Der klassische Mix bestand aus den Sorten „russisch“ (Quark, Kartoffeln und gerösteten Zwiebeln), mit Fleisch, mit Kohl und mit Pilzen. Für die süßen Pierogi war ich leider zu satt und so beschloss ich nach der Bergwerksführung wieder hinzugehen. Im Vergleich schmeckten mir die Süßen (Apfel-Zimt, Erdbeere, Kirsche, Frischkäse mit Honig) deutlich besser. So habe ich wieder etwas, was ich daheim ausprobieren möchte.

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Leider hatte ich am ersten Morgen das Pech, dass ich für die Ausschwitz-Tour schon vorm Frühstück los musste. So versuchte ich am letzten Morgen die Verkostung nachzuholen. Besonders gut mundeten mir zwei Dinge: der Frischkäse-Mix mit Rasieschen und Zwiebel sowie die Pfannkuchen mit Quarkfüllung und Marmelade.

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Am Flughafen hatte ich noch etwas Zeit. So kam ich noch zu einem weiteren polnischen Bier, auch wenn das Essen etwas untypisch ausfiel.

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Krakau ist finde ich eine schöne Stadt, in und um der man viel entdecken kann. Leckeres Essen und gutes Bier tun ihr übriges. Mit mehr Zeit sind außerdem Schindlers Fabrik, Ghettomauern, die Hügel mit dem Ausblick und vieles mehr noch drin. Außerdem könnte man noch zur Hohen Tatra fahren – entweder als Ausflug oder als kleiner Wanderurlaub. Essenstechnisch konnte ich auch weniger probieren als erhofft. So fehlen beispielsweise Suppen sowie ein Besuch einer Milchbar. Dafür habe ich wieder ein weiteres Ziel auf meiner Liste. Natürlich durften Mitbringsel nicht fehlen: Bisongraswodka Żubrówka, Kirschlikör aus Bisongraswodka, Café Latte Pralinen von Wedel und Kekse.

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