Urlaub: Ausflug nach Brügge

Das Zugnetz in Belgien ist gut ausgebaut und so wählten wir aus den für uns interessanten Städten Brügge, Ghent und Leuven ein Ziel aus, welches wir von Brüssel aus gut erreichen konnten. Die Mehrheit stimmte für Brügge in Westflandern. Der historische Stadtkern der Stadt reicht ins 13. Jahrhundert zurück. Im Mittelalter entwickelte sich Brügge zu einer der bedeutendsten Handelsmetropolen in Europa, nachdem eine Sturmflut eine Fahrrinne in die Meeresbucht riss und Brügge so mit der Nordsee verband. Als der Meerzugang versandete, verlagerte sich der Handel nach Antwerpen, welches den größeren Hafen besaß, und die Stadt verarmte. Mitte des 19. Jahrhunderts war Brügge sogar die ärmste Stadt Belgiens. Brügge wurde nicht durch Feuer oder andere Katastrophen zerstört und hat entsprechend viele kleine Gassen, bunte Häuserfassaden und alte Bauten. Diese unterschieden sich etwas je nach Viertel. Im Hanseviertel stehen vor allem Häuser aus dem 14. und 15 Jahrhundert, wie das alte Zollhaus. Brügges Altstadt wird seit 2000 als UNESCO-Weltkulturerbe geschützt. Brügge ist entsprechend eine eher teure Stadt, was uns bei dem Tagesausflug mehrmals auffiel. Zudem war in der Osterwoche viel los. Also insgesamt zwei Faktoren, die die Besichtigung etwas bedrückten. Je nachdem, was man sich anschauen will, kann sich die Musea Brugge Card lohnen.

Sehenswürdigkeiten

 

Vom Bahnhof in die Altstadt sind wir durch den Minnewaterpark gelangt. Das Minnewater ist einer der ältesten Seen Brügges. Den zugehörigen Park gibt es jedoch erst seit der 1970er Jahre. Er ist eine kleine ruhige Oase mit älteren Gebäuden, z.B. dem Schleusenhaus (Sashuis), und faszinierenden Brücken, wie die Minnewaterbrug, auch Lovers‘ Bridge genannt. Zudem liegt der Park in der Nähe der ersten Station, dem Beginenhof. Auf de Weg dorthin kamen wir zudem an den ehemaligen Armenhäusern von Godshuis de Meulenaere vorbei. Seine Existenz geht auf eine Schenkung von Johanna de Meulenaere zurück und wurde für ältere bedürftige Frauen ins Leben gerufen. In der Stadt befinden sich weitere, für heutige Verhältnisse malerische Armenhäuser.

Begijnhof Ten Wijngaerde

Der Beginenhof in Brügge reicht ins 13. Jahrhundert zurück. Der Hof war einst ein geschlossenes Gemeinschaftsleben für Beginen, d.h. Frauen, die sich der religiösen Gemeinschaft verschrieben hatten, aber nicht in ein Kloster eintreten wollten. Mit dem Hof wurde den Frauen ein sicheres und unabhängiges Leben ermöglicht. Bis heute werden die Häuser dieses Beginenhofs von Frauen, insbesondere Schwestern des Benediktinerinnenordens, bewohnt. Je nach Hof können auch ältere Leute, Künstler und Studenten in den Häusern wohnen. Ich hatte schon mehrere Beginenhöfe in den Niederlanden gesehen, für die anderen aus der Gruppe war dies jedoch neu. Von den 26 noch erhaltenen flämischen Beginenhöfen wurden die meisten in die Liste des UNESCO-Weltkulturerbes aufgenommen, darunter auch dieser idyllische Beginenhof in Brügge.

Diamantmuseum

Eines unserer Highlights war das Diamantenmuseum in Brügge. Der Diamantschliff wurde angeblich vom Goldschmied Louis de Berquen aus Brügge erfunden. Damit wurde Brügge das erste Diamantenzentrum Europas, weit vor Antwerpen, wo der Schliff perfektioniert wurde. Das und mehr wird im Diamantenmuseum erklärt. Im Inneren darf leider nicht fotografiert werden. Wir besuchten zunächst eine sehr anschauliche und beeindruckende Vorführung zum Schleifen und Polieren von Diamanten, die einmal täglich um 12:15 Uhr stattfindet, bevor wir die Ausstellungsräume besuchten, in denen die Geschichte des Diamantenschleifens in Belgien sowie der Abbau erklärt sind. Hierbei gibt es einen kleinen interaktiven Teil. Das Museum selbst ist eher klein und verwinkelt.

Grachten

In Brügge fallen schnell die vielen Grachten auf. Der Rozenhoedkaai ist einer der meistfotografierten Orte der Stadt, welcher im Panorama die Grachten, Herrenhäuser und den Belfort vereint. Ein beliebter Zeitvertreib sind die Grachtenfahrten, die von hier aus angeboten werden. Basierend auf den Preis und der Menschenmenge entschieden wir uns jedoch dagegen. Was mir persönlich sehr gut gefielen, waren die kleinen Brücken und der Blick in die Grachten. Die Bonifazius-Brücke ist beispielsweise ein beliebtes Instagram-Motiv, welches man anhand der Besuchermenge auch spürbar merkt.

Kirchen, Kathedralen und das Alte Rathaus

Auffallend sind die vielen Kirchen und Kathedralen der Stadt, wie die Sint-Salvatorskathedraal und die Onze-Lieve-Vrouwekerk (Liebfrauenkathedrale). Letztere stammt aus dem 13. Jahrhundert und ist eines der wenigen Backsteingebäude dieser Epoche in Flandern. Im  Inneren hat sie eine opulente Ausstattung mit Gemälden, Skulpturen und noch viel mehr. Die Doppelkirche der Heilig-Blut-Basilika (Basiliek van het Heilig Bloed) ist eines der ältesten Bauwerke der Stadt. Der Legende nach brachte 1149 Ritter Graf Dietrich von Elsass ein kleines Gefäß mit dem Blut von Jesus Christus von Jerusalem nach Brügge und ließ dort eine Kirche bauen. Sie wurde im 12. Jahrhundert im romantischen Stil erbaut und grenzt nahtlos an das Alte Rathaus (Stadhuis) aus dem 15. Jahrhundert an, welches reich verziert ist und mit seinen filigranen Türmen ein Schmuckstück darstellt. Es dient bis heute als Sitz der Stadtverwaltung.

Grote Markt und Belfort

Unsere Besichtigungstour endete am lebhaften Grote Markt, dem pulsierenden Marktplatz aus dem 13. Jahrhundert. Der Marktplatz ist von Bürgerhäusern mit Giebeldächern gesäumt, die häufig Restaurants mit Touristenpreisen beherbergen. Markante Gebäude sind die Alte Post, das Historium und der Provinzialpalast. Um dorthin zu gelangen, kann man sich am Belfort (Bergfried der Stadt), dem höchsten Turm von Brügge orientieren. Er liegt auf der Südseite des Platzes und zählt zum UNESCO-Weltkulturerbe. Wer den Ausblick vom Turm (83 m, 366 Stufen) genießen will, sollte vorab online reservieren oder sehr früh dran sein. Wir hätten mehrere Stunden warten müssen, um hochsteigen zu dürfen. Dem Glockenspiel (Carillon) aus 47 Bronzeglocken aus dem 17. Jahrhundert kann man Mittwoch, Samstag und Sonntag um 11 Uhr lauschen.

Kulinarisch

In Brügge gibt es, wie in fast jeder belgischen Stadt, mehrere Brauereien. Die kleine Brauerei Fort Lapin produziert mehrere Biere, u.a. ein blondes, ein dunkles und ein Tripel-Bier. Das wohl fruchtig-würzige Tripel de Garre wird exklusiv in der Kneipe Staminee De Garre in Brügge ausgeschenkt. Speziell ist auch das Bourgogne des Flandres, eine Mischung aus Braunbier und gereiftem Lambic-Bier mit einem süß-säuerlichen Geschmack. Dieses und andere Biere werden in der Brasserie Bourgogne des Flandres ausgeschenkt.

Eine Empfehlung bekamen wir für die Brauerei mit Gaststätte De Halve Maan am Walplein, eine der letzten noch aktiven Brauereien im historischen Zentrum von Brügge. Bei unserem Besuch wurden ihr Blond (Brugse Zot) und Dubbel ausgeschenkt. Das Essen kann man entweder a la carte (am Tisch vor allem Burger) oder das Menü des Monats in den Varianten zwei oder drei Gerichte bestellen. Ich entschied mich für das Menü und wählte Brauereiwurst mit Kartoffel-Endivien-Stampf und Sauce sowie den Zandmanneke Käse aus Walhoeve. Das Essen mundete und den Kartoffel-Endivien-Stampf wird es diesen Winter ab und an geben. Das Preis-Leistungsverhältnis empfanden wir als akzeptabel, aber nicht günstig. Die Bedienungen waren mit der Menschenmenge (mit ihrem etwas chaotisch anmutenden Konzept) leicht überfordert, so dass wir immer wieder auf Getränke und insbesondere den Käseteller und die Rechnung warten mussten. Allerdings muss man auch sagen, dass man kaum ein Lokal findet, in dem ein Hauptgang unter 25 Euro kostet.

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